Klasse 1
VerbotenUnannehmbares Risiko
Social Scoring, biometrische Echtzeit-Fernidentifikation, Emotionserkennung am Arbeitsplatz, unterschwellige Manipulation. Für die meisten KMU nicht relevant – außer bei HR- oder Überwachungssystemen.
Leitfaden · Stand September 2026
Der EU AI Act ist kein Projekt, das Sie einmal abarbeiten. Er ist eine dauerhafte Governance-Aufgabe – in der Liga von DSGVO oder ISO 9001. Dieser Leitfaden erklärt Fristen, Risikoklassen und Ihre konkreten Pflichten – für Unternehmen in Österreich, Deutschland und der Schweiz. Am Ende finden Sie auch einen Weg, diese Aufgabe nicht alleine tragen zu müssen.
Compliance · Stand 2026
EU AI Act (Art. 4, Art. 50), DSGVO und die nationalen Aufsichtsvorgaben (AT: RTR, DE: Bundesnetzagentur) sind in jedem Mandat enthalten – als Voreinstellung, nicht als Zusatzbaustein.
0160-Sekunden-Zusammenfassung
Ja, der EU AI Act betrifft auch Ihr kleines Unternehmen – aber er ist für die meisten KMU deutlich weniger dramatisch, als es klingt.
02Zeitachse
| Datum | Status | Was gilt |
|---|---|---|
| 2. Februar 2025 | Gilt seit | Verbote + KI-Kompetenzpflicht Verbotene KI-Praktiken (Art. 5) und Artikel-4-Schulungspflicht für alle, die KI einsetzen. |
| 2. August 2025 | Gilt seit | GPAI-Anbieter-Pflichten + Sanktionsrahmen Pflichten für Anbieter generischer KI-Modelle (OpenAI, Anthropic, Google) – für KMU-Anwender nicht relevant. Zugleich gelten die Bußgeldvorschriften (Art. 99). |
| 2. August 2026 | Gilt seit | Transparenzpflichten (Art. 50) Chatbots und Voice Agents müssen sich als KI zu erkennen geben, Deepfakes sind offenzulegen. |
| 2. Dezember 2026 | Nächste Frist | Kennzeichnung KI-generierter Inhalte KI-generierte Texte, Bilder, Audio- und Videoinhalte müssen als solche gekennzeichnet werden. |
| 2. Dezember 2027 | Digital Omnibus | Hochrisiko nach Anhang III Eigenständige Hochrisiko-Systeme (HR-Tools, Kreditscoring etc.). Verschoben durch den Digital Omnibus. |
| 2. August 2028 | Digital Omnibus | Hochrisiko nach Anhang I In Produkte eingebettete Systeme (Maschinen, Medizinprodukte). Verschoben durch den Digital Omnibus. |
Rechtsgrundlage der Verschiebung ist der Digital Omnibus on AI, VO (EU) 2026/1744, in Kraft seit 27. Juli 2026. Verbote, Schulungspflicht und Transparenzpflichten gelten damit bereits – offen sind noch die Kennzeichnung KI-generierter Inhalte und die Hochrisiko-Pflichten.
Welche Frist für Sie zählt, hängt vom Einsatz ab: Für Industriebetriebe ist Anhang I relevant – KI als Sicherheitskomponente in Maschinen. Für die meisten anderen KMU stehen Art. 4 und Art. 50 im Vordergrund, bei KI in Personalauswahl oder Kreditvergabe zusätzlich Anhang III.
03Risikoklassen
Der AI Act reguliert nicht Technologie, sondern Einsatzzweck. Jedes KI-System muss nach seinem konkreten Anwendungsfall eingestuft werden.
Klasse 1
VerbotenSocial Scoring, biometrische Echtzeit-Fernidentifikation, Emotionserkennung am Arbeitsplatz, unterschwellige Manipulation. Für die meisten KMU nicht relevant – außer bei HR- oder Überwachungssystemen.
Klasse 2
Streng reguliertHR-Tools mit Bewerber-Screening, Kreditscoring, kritische Infrastruktur, Medizinprodukte, Bildungs- und Justizsysteme. Wer ein automatisiertes Bewerber-Screening einsetzt, ist Betreiber eines Hochrisiko-Systems.
Klasse 3
TransparenzpflichtenChatbots, Voice Agents, KI-generierte Inhalte, Deepfakes. Nutzer müssen erkennen, dass sie mit einer KI interagieren. KI-generierte Inhalte werden gekennzeichnet. Die Klasse, in der die meisten KMU-Anwendungen liegen.
Klasse 4
Keine PflichtenRechtschreibprüfung, Übersetzungs-Tools, Spam-Filter, KI-gestützte Empfehlungssysteme im E-Commerce. Die überwiegende Mehrheit aller KI-Alltagsanwendungen. Keine zusätzlichen AI-Act-Pflichten.
04Artikel 4
Wer
Alle Mitarbeiter, die KI-Systeme einsetzen – faktisch fast alle Büroangestellten.
Was
Nachweisbare KI-Kompetenz: Grundlagen, Risiken, unternehmensspezifische Nutzungsregeln.
Dokumentation
Schulungsnachweise mit Datum, Inhalten und Teilnehmern. Einmalig reicht nicht – regelmäßige Auffrischung ist Pflicht.
Artikel 4 EU AI Act verpflichtet Unternehmen, die KI-Systeme betreiben, dafür zu sorgen, dass ihre Mitarbeiter die Systeme sachgerecht verstehen. Das Gesetz nennt das „KI-Kompetenz“ (AI literacy).
Wichtig: Die Schulung darf pragmatisch sein. Eine 45-Minuten-Einführung plus unternehmensspezifische Nutzungsrichtlinie reicht für die Grundkompetenz der meisten Rollen. Tiefergehende Schulungen für Power-User (z. B. Datenanalysten oder Entwickler) müssen separat nachweisbar sein.
Die Pflicht gilt seit 2. Februar 2025. Die Durchsetzung liegt bei den nationalen Behörden und wird typischerweise im Rahmen anderer Audits (DSGVO, IT-Security) mitgeprüft. Wer heute noch keine Schulungsnachweise hat, sollte das nicht länger aufschieben.
05Bußgelder
Die Höchststrafen klingen dramatisch. Für KMU gilt jeweils der niedrigere Betrag – aber bereits das kann existenzgefährdend sein.
€35 Mio.
Höchststrafe bei Einsatz verbotener KI-Praktiken (Art. 5). Für KMU gedeckelt auf den niedrigeren Betrag.
€15 Mio.
Strafe bei Verstößen gegen Pflichten aus dem AI Act (ausgenommen Art. 5 und Falschangaben).
€7,5 Mio.
Strafe bei Falschangaben gegenüber Aufsichtsbehörden. Für KMU gilt immer der niedrigere Wert.
067-Schritte-Checkliste
Schritt 01
Schritt 02
Schritt 03
Schritt 04
Schritt 05
Schritt 06
Schritt 07
07DACH-Überblick
AT
Der AI Act gilt als EU-Verordnung unmittelbar – ein eigenes Umsetzungsgesetz ist dafür nicht nötig. Die RTR betreibt die KI-Servicestelle als zentrale Anlaufstelle für Unternehmen. Welche Behörden die Marktüberwachung übernehmen, ist national geregelt.
DE
Auch in Deutschland gilt der AI Act unmittelbar. Die Bundesnetzagentur ist als zentrale Marktüberwachungsbehörde und Anlaufstelle vorgesehen und bietet Unternehmen bereits Orientierung über ihren KI-Service-Desk. Für einzelne Sektoren bleiben die bestehenden Fachaufsichten zuständig.
CH
In der Schweiz gilt der AI Act nicht direkt. Er betrifft aber Schweizer Hersteller, die KI-Systeme oder KI-haltige Produkte in die EU liefern – etwa Maschinen mit KI als Sicherheitskomponente (Anhang I). Der Bundesrat verfolgt statt eines eigenen KI-Gesetzes einen sektoriellen Ansatz über bestehende Gesetze.
08KMU-Erleichterungen
Regulatorische Reallabore nach EU-Vorgabe in jedem Mitgliedstaat. KMU mit prioritärem, grundsätzlich kostenfreiem Zugang. Entwicklung und Test auch von Hochrisiko-Systemen unter behördlicher Begleitung.
Vereinfachte Dokumentation, gedeckelte Bußgelder (niedrigerer Betrag aus Fix oder Prozent), geförderte Sandbox-Teilnahme.
09FAQ
10Quellen
Hinweis: Gloriane ist keine Rechtskanzlei. Dieser Leitfaden ersetzt keine juristische Beratung. Bei Detailfragen verweise ich auf WKO, RTR oder Fachanwälte für IT- und Datenschutzrecht.
Nicht alleine durch die Umsetzung
Ich übernehme als externe KI-Leitung die Governance-, Strategie- und Umsetzungsarbeit für ausgewählte Mittelstandsunternehmen in Österreich, Deutschland und der Schweiz. EU-AI-Act-Compliance ist dabei einer von mehreren Bausteinen – aber oft der Einstieg. Alternativ gibt es das EU-AI-Act-Compliance-Paket: 4 Wochen, €9.500, Mindest-Dokumentation für die Pflichten, die heute gelten und bis Dezember 2026 hinzukommen.